Campo Roncoli

09/05/1944

Einzeltötung

Der Pfarrer Don Cristoforo Mattesini, der Nachfolger von Don Ezio Turinesi in der Pfarrei von Partina, schreibt wie folgt: „Nach einigen Monaten folgte ein weiteres Durcheinander. Die gesamte Zivilbevölkerung sollte aus dem Casentino entfernt werden. “ Große Front“ – sagten die Deutschen – Zivilisten alle raus.“ Nach der Befreiung von Arezzo verschob sich die Front ins Casentino und ein Ort nach dem Anderen wurde evakuiert. Am 20.August war Partina an der Reihe. Eine Herde von Gendarmen und Polizisten kreisten das Dorf ein. Einige schossen in die Luft, damit keiner flüchtete. Andere drangen in die Häuser ein, um die Bewohner rauszuholen. Sie durften nur ein bißchen Brot und eine Decke für die Nacht mitnehmen. Wie schon so oft, öffnete sich auch dieses Mal die Kirche, um diese Armen aufzunehmen. Wie immer, ist Don Ezio mit ermutigenden Worten zur Stelle. Sie werden wie eine Schafherde, von den Polizisten eskortiert, zu Fuß zur Mausolea, ein großartiger Hof, der dem Orden von Camaldoli angehört und für diese Gelegneheit in Konzentrationslager verwandelt, geführt. Von dort werden sie in der folgenden Nacht mit Lastwagen nach Forlì, Galeata, Santa Sofia usw. gebracht. Von denen, die nicht evakuiert worden waren, weil nicht genügend Wagen zur Verfügung standen, versuchten alle, die die Möglichkeit hatten, nach Poppi und Bibbiena zu flüchten. Die Alten und wer nicht laufen konnte, wurde seinem Schiksal überlassen. Don Turinesi blieb in Partina und bat, all diese Zurückgelassenen im Pfarrhaus versammeln zu dürfen. Es kamen noch weitere Personen hinzu, die nicht deportiert wurden und die erzählen, daß Don Turinesi persönlich einige Kranke aus deren Häuser ins Pfarrhaus trug. Der Frontverlauf blieb ca. einen Monat im Casentino und in dieser Zeit war Partina Niemandsland. Hier stießen die deutschen Truppen mit den Alliiertenpatroullien aufeinander. Die Flüchtlinge gingen aus verschiedensten persönlichen Gründen im Pfarrhaus ein und aus und der Pfarrer stieg fast täglich zur Mausolea ab, um von den Mönchen Lebensmittel für sich und die Flüchtlinge zu holen.
Eines Tages, fuhr ein Jeep der Alliierten in einen Graben in der Nähe von Partina, und wurde dort samt Inhalt von den Insassen verlassen. Viele liefen sofort hin, um alles, was sich im Jeep befand, mitzunehmen und alles wurde ins Pfarrhaus geschleppt. Bei einer dieser Gelegneheiten, wird eine Person von den Deutschen angeschossen, und der Verletzte geht mit Anderen zu Don Turinesi ins Pfarrhaus, um sich versorgen zu lassen. Dieses ganze Hin und Her läßt bei den Deutschen den Verdacht auf Spionage aufkommen. An einem Tag verfolgen sie zwei Männer, die im Dorf unterwegs sind, bis zum Pfarrhaus. Don Ezio schafft es gerade noch, die beiden auf dem Boden zu verstecken, aber die Patroullie durchsuchte das Haus, und nachdem sie die Zwei nicht fanden, nahmen sie den Pfarrer fest. Bei der Durchsuchung fanden sie jedoch die Zigaretten und Lebensmittel aus dem Alliiertenjeep und befanden diese als Bestätigung für ihren Verdacht auf die Beziehungen zum Feind. Dem Pfarrer wurde nur noch erlaubt, in der Kirche das Abendmahl einzunehmen. Von zwei Soldaten eskortiert verließ er das Dorf, stieg Richtung Freggina auf. Oberhalb des Dorfes hielten sie an und ließen sich von einem Bauern, der sich dort oben versteckte, etwas zu essen machen. Dieser Bauer erzählte mir: „Don Ezio hielt eine Tasche in der Hand. Es war ein Ojekt aus dem Pfarrhaus, das sie ihn als Beweis für die Feindesbeziehungen hatten mitnehmen lassen. Es war tatsächlich eine Tasche der Alliierten. Während die Soldaten aßen, bat der Pfarrer sie um eine Zigarette. „Nein, Spion, für Dich gibt es keine.“ war die Antwort. Sie nahmen den Aufstieg wieder auf, ließen den Ortsteil Freggina hinter sich und gingen weiter Richtung Camaldoli. In der Nähe ihres Kommandos, bei dem Haus „Le Capanne“, war eine Schutzhütte und hier bekam er sein Todesurteil. Er mußte dort eintreten, immernoch mit dieser Tasche in der Hand. Als er wieder rauskam hatte er die Tasche, der Beweis für die Feindesbeziehungen, nicht mehr in der Hand.
Indem die Flüchtlinge die Sachen aus dem Militärjeep ins Pfarrhaus brachten, hatten sie den Deutschen einen Vorwand gegeben, das Todesurteil rechtzufertigen.
Diese Berichterstattung kommt von zwei Mädchen, die in Le Capanne wohnten. Sie liefen von der Schutzhütte weg, durchquerten den Wald und ein Feld und liefen nach Montanino hinauf. Als die Soldaten zurückkamen, sagten sie den Mädchen: „Pastor kaputt“. Sie hatten Blutflecken auf den Uniformen. Es war der 5. September 1944.
Erst fünf Monate später, als in den Schützengraben nach Kriegsmaterial gegraben wurde, tauchte die Leiche von Don Turinesi wieder auf.